Echt jetzt - Eltern im digitalen Alltag

Echt jetzt – von Eltern für Eltern und für mehr Schutz in sozialen (?) Netzwerken
10.10.2026 in Köln
Snapchat, Instagram, tiktok – diese Apps haben viele Schüler*innen auf ihren Handys. Sie nutzen sie auch, sogar mit steigender Stundenzahl. Selbst wenn die Schule im Ganztag es schafft, durch Handyverbote die Dauer tagsüber einzudämmen, kommen die Kinder dennoch in ihrer Freizeit auf durchschnittlich 4 – 6 Stunden pro Tag. Das ist mehr Zeit, als die meisten Eltern mit ihren Kindern verbringen. Die Inhalte, die sie laut Medienexperte Tobias Dillinger konsumieren, sind schockierend, und zwar so, dass er selbst seinen eigenen Sohn im Teenageralter während des Vortrages bat, die Aula der Gesamtschule Wasseramselweg zu verlassen.
Dillinger nahm uns Erwachsene mit in die Verwerfen der social media-Welt. Altersbeschränkungen reichen überhaupt nicht aus, um den Zugang zu erschweren. Denn die Altersangabe wird nicht überprüft. Schnell wird aus 11jährigen dann eben ein 45-Jähriger. Leider kennen sich auch viele Erwachsene viel zu wenig aus mit wichtigen Einstellungen, die aktiviert werden könnten, um Kinder zu schützen. Oder sie begleiten die Installation der Apps zu wenig. Und weil es so ist, wie es gerade ist, bekommen schon die 11-jährigen, vermeintlich 45 Jahre alt, Inhalte angeboten, die so gar nicht für ihre Augen und Ohren geeignet sind, die sie verstören und falsche Vorstellungen von Liebe, Erfolg und Sexualität hervorrufen. Auch abscheuliche Tierquälereien sind keine Seltenheit. Die Kinder fragen aber nicht aktiv auf den Plattformen nach diesen Inhalten, sie werden ihnen im Gegenteil ungefragt „präsentiert“.
Der neuste Trend liefert ebenfalls Grund zur Sorge: Chatbots oder künstliche Charaktere bieten Pseudobeziehungen zu ihren Usern an und ermöglichen Einstiege in Parallelwelten, der gefühlten Einsamkeit zum Trotz. Dabei antwortet ja gar kein Freund am anderen Ende, sondern eine Maschine, die den eigenen Standpunkt immer bestätigt und die auch immer erreichbar ist. Schlimmste Auswüchse, die inzwischen auch Gerichte beschäftigen, sind KI-assistierte Suizide. Die Schilderung dieser Entwicklung sorgte für betretenes Schweigen bei den anwesenden Eltern und verstärkte die Erkenntnis, dass viel mehr passieren muss, um Kinder und Heranwachsende zu schützen. Schule muss diesen Part übernehmen, die Politik den Rahmen schaffen und Eltern als Teil der Verantwortungsgemeinschaft sollten neue Bündnisse bilden. So danken wir ganz besonders allen Eltern, die heute bei diesem Elternfachtag dabei waren: Ihr seid wichtige Multiplikator*innen auf dem Weg dahin.







